Panoramaetappe in gleißender Sonne
Was ist das für eine grausame Nacht. In dem Moment als ich mich auf die Matratze am Abend lege, habe ich das Gefühl zwischen dem Lattenrost festzustecken. Ich bin am Morgen völlig gerädert, weil ich gefühlt kein Auge zugemacht habe. 😴
Völlig emotionslos essen wir um 7 Uhr unser Frühstück, packen die letzten Sachen und machen uns in der morgendlichen Frische auf den Weg. 😦Anfangs noch gemächlich ansteigend auf einer Forststraße, folgen wir schon bald einem niedlichen kleinen Waldpfad. Wir steigen Meter für Meter weiter entlang eines rauschenden Baches auf, bis wir auf der Engebene ankommen. 💚
Sonne haben wir bis jetzt noch nicht viel abbekommen und sind froh über die noch immer milden Temperaturen.
Der Weg auf dieser Ebene dort oben haut mich von den Socken. Die Wiesenhänge sind sattgrün, einzelne Murmeltiere erblicken wir neben dem Weg und genießen die Stille, die nur vom Rauschen des Baches gestört wird. Hier oben könnte ich Stunden verweilen und die Seele dahinschwelgen lassen. 😍
Aber unser Ziel ist die Gliederscharte auf 2644m für diesen Tag und so steigen wir weiter auf. Der Weg wird immer steiniger, ist aber nach wie vor angenehm zu gehen.
Vor der Sonne finden wir mittlerweile keinen Schutz mehr und so kämpfen wir uns die letzten paar hundert Höhenmeter hinauf zur Scharte. 👆
Mein ganzer Körper ist am Anschlag, die Höhenluft in Kombination mit der starken Sonne macht mir arg zu schaffen. Froh bin ich, als ich dort oben an der Scharte stehe und den Blick endlich schweifen lassen kann. 😍😎
Der eindrucksvolle Hochfeiler mit seinem blanken Gletschereis liegt in unserem Rücken. Vor uns liegt unter anderem die Wilde Kreuzspitze, meine 3000er Besteigung aus dem letzten Jahr. In diesem Moment fühle ich mich sehr stolz, es dort hinauf geschafft zu haben. 😌😊
Um dem frostigen Wind dort oben zu entgehen, steigen wir hinab zum Grindlbergsee, um uns die Brotzeit schmecken zu lassen. 🍞
In diesem See schwimmen noch einige Eisschollen und natürlich muss ich auch dort hineinspringen. Die pure Lebensfreude fließt durch meine Adern. Sehr bald setzt das schmerzhafte Nadelstechen auf der Haut heute ein und so halte ich es nicht lange in dem See aus. 🏊
Die Kleidung wärmt den Körper zum Glück schnell wieder auf und die Sonne tut ihr übriges. ☀
Mit neuer Kraft machen wir uns weiter an den Abstieg. Die Sonne ist heute unglaublich stechend, wir suchen an der Oberen Engbergalm Schutz im Schatten und gönnen uns ein kaltes Getränk. Lange halten wir es auch hier nicht aus, die Temperaturen steigen in sehr unangenehme Höhen. 😔
Heilfroh sind wir, als wir endlich zur Baumgrenze kommen, um ab und zu etwas Schatten abzubekommen. In einem kalten Bach kühlen wir nochmal die Füße, die aufgrund der Hitze auch wieder unangenehm anschwellen. 😯
Die letzten 7 km hinunter ins Dorf ziehen sich endlos. Ich laufe sogar eine zeitlang in langärmeliger Kleidung, weil man mit dem Einschmieren nicht mehr nachkommt. Jede Bewegung wird anstrengender und ich habe das Gefühl zu zerfließen. 😆
Am Ende unserer Kräfte schaffen wir es am späten Nachmittag in unseren Gasthof und sind vorerst zu nichts mehr zu gebrauchen. Zu viel Kraft hat dieser Hitzemarsch gekostet.
Nach einem leckeren Abendessen erwachen die Lebensgeister aber zum Glück wieder. 😊
Mich beschäftigt heute lange Zeit, wie wir im Allgemeinen mit unserer Umwelt umgehen. Habe ich dort oben an der Gliederscharte doch einen so einmaligen Blick auf dieses blanke Gletschereis gehabt. Zu wissen, dass es nicht mehr viele Jahre braucht, bis dieses Naturphänomen von der Bildfläche verschwindet, stimmt mich sehr nachdenklich. Ich überdenke viele meiner eigenen Angewohnheiten und nehme mir vor zumindest ein paar Kleinigkeiten zu Hause wieder zu ändern und die Natur etwas mehr zu verschonen. Klar kann ein Einzelner nicht wirklich viel bewirken, aber wenn es viele Einzelne sind, dann kann man die Natur schon etwas mehr schonen.
Liebe ich doch gerade diese wunderbare Bergwelt und möchte noch viele schöne Stunden hier verbringen. Und auch die nächsten Generationen sollen noch die Chance dazu haben. 🙏😏
Sehr kaputt und erschöpft falle ich heute ins Bett und tanke wieder neue Kraft für die Etappe morgen.
So long
Euer Henkyi 💋






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